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aerokurier 2/1997

In diesem Heft finden Sie Beiträge aus folgenden Rubriken:

Editorial: Zähne zeigen / International Express / Pilot Reports: Cirrus SR20: Leckerbissen fürs Fliegervolk / Enstrom 480: Gute Noten für die Kleine aus Michigan / Business Aviation: Die Zukunft hat begonnen / Magazin: Den Kurs am PC-Schirm zeichen, Sicherheit mit Charme serviert / Praxis: Notfalltraining: Mehr Sicherheit durch Take-off-Briefing, Fortbildung: Human Factors durch Begreifen erlernen, Motorüberwinterung: Wer rastet, der rostet, Flugmechanik: Das Lastvielfache ist nicht zu unterschätzen, Unfall-Analyse: Absturz nach Motorausfall im Start / Ultraleicht: So wird Tecnams neue P96 Golf, Wild Thing geht in die Flugerprobung, Neue Funk-Geräte zum Fliegen, Zauberformel trikonische Kappe? / Reise: Reizvoller Osten / Segelflug: ASW 15 oder Standard Cirrus?, Keine kalten Füße dank Footwarmers, Horten 2L in Berlin im Technikmuseum, Meisterschaft der Offenen Klasse, Kommentar: Die Möglichkeiten des Motorseglers nutzen, Neuer Streckenflugrechner mit Simulator fürs PC-Training, Fliegerlager in Zielona Gora


EDITORIAL

Zähne zeigen

Über die Presse bekanntgewordene Pläne der Bayrischen Staatsregierung sorgten Ende 1996 für Aufregung und Empörung beim Bayrischen Luftsportverband und dem Deutschen Aero Club. Staatskanzleichef Kurt Faltlhauser hatte in der Süddeutschen Zeitung die Absicht bekannt gegeben, die 386 staatlichen Zuschuß- und Förderprogramme auf ihre Notwendigkeit zu überprüfen, einschließlich der Förderung der Anschaffung von Großgeräten im Sport. Nur 26 Programme kamen ohne Änderung davon, die Förderung von Großgerät für die Fachverbände Golf, Luftsport und Segeln (eine olympische Sportart) wurde ganz gestrichen. Gründe für diesen Schritt waren bis heute nicht herauszufinden und lassen viel Raum für Spekulationen. Es scheint aber, als hätte man sich bei der Sparaktion die Schwächsten herausgesucht, diejenigen, von denen am wenigsten Widerstand zu erwarten ist. Das völlig passive Verhalten der Staatsregierung gegenüber allen Anfragen, Klagen und Resolutionen paßt gut in dieses Bild.

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Im INTERNATIONAL EXPRESS können Sie unter anderem lesen:

Mitte Dezember feierte die Belegschaft des texanischen Flugzeugherstellers Mooney Aircraft den Roll-out der 100. Ovation. In seiner Rede verwies Firmenchef Bing T. Lantis darauf, daß es sich bei der 280 PS starken Einmot um eines der erfolgreichsten Modelle in der Firmengeschichte handle.

Die Luftfahrtbehörde Rußlands, die seit dem Zusammenbruch der UDSSR Federal Aviation Services (FAS) hieß, wurde jetzt in Anlehnung an die Luftfahrtbehörde der USA in FAA (Federal Aviation Authority) umbenannt. Geschult wurden die russischen Inspektoren bei der FAA in Amerika.

Die Fluggesellschaft British Airways will ihre gesamte Flugzeugflotte mit den aktiven Noise-Guard-Headsets des deutschen Herstellers Sennheiser ausrüsten. Die Kopfhörer reduzieren den Kabinenlärm elektronisch um bis zu 12 dB.

Der japanische Industriegigant Toyota hat von der US-Luftfahrtbehörde FAA die Produktionszulassung für seinen 270 kW (360 PS) starken Achtzylinder-Flugmotor FV2400-2TC erhalten. Der Antrieb basiert auf Toyotas Lexus-Motor.

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PILOT REPORT

Cirrus SR20: Leckerbissen fürs Fliegervolk

Am laufenden Flugerprobungsprogramm des Kunststoffviersitzers SR20 sind zwei Maschinen beteiligt. Zusammen haben diese bislang rund 800 Stunden in der Luft zugebracht. Unlängst hatte der aerokurier Gelegenheit, den Prototypen Nummer 1 zu einem Schnupperflug zu "entführen". Wir konnten uns davon überzeugen, daß Cirrus Design nahe daran ist, die dem Project mit auf den Weg gegebenen Performance-Daten Realität werden zu lassen. Die versprochene Reisegeschwindigkeit von 160 kts true bei 75 Prozent Leistung ist bereits kein Wunschtraum mehr. Gegenwärtig wird das ballistische Rettungssystem, mit dem jede SR20 ausgerüstet werden soll, in der Praxis erprobt. Viele Flugstunden werden derzeit auch darauf verwendet, die Flugcharakteristika zu optimieren. Der Prototyp Nummer 2 fliegt bereits mit einem Tragflügel, dessen Nasenleiste "spinsicher" gestaltet ist. Derzeit kommt es beim Fahren der Klappen noch zu deutlichen Reaktionen um die Querachse. Auch hier wird Feinarbeit geleistet. Alles in allem macht die Neuentwicklung schon einen sehr guten Eindruck. Die formschöne SR20, 200 PS stark, bietet sehr viel Innenraum. Zwei große Türen machen das Einsteigen zum Kinderspiel. Das Panel wirkt gefällig und an die Sidestick-Steuerung kann man sich leicht gewöhnen. Nur echte Linkshänder dürften Probleme bekommen, wenn sie gezwungen sind, während des Fligens zu schreiben. Auf der AERO in Friedrichshafen (23.-27.4.) soll die SR20 präsentiert werden. General Enterprises im holländischen Elde hat für das ansprechende, 145.000 Dollar teure Reiseflugzeug den Europavertrieb übernommen und wird sich auch um die Musterzulassungen kümmern.

Enstrom 480: Gute Noten für die Kleine aus Michigan

Die Enstrom 480 ist das jüngste Familienmitglied des in Minominee im US-Bundestaat Michigan beheimateten Hubschrauberherstellers. Nach 40 Jahren Produktion von leichten Kolbenmotorhubschraubern ist es auch das erste Helikoptermodell dieses Herstellers mit Turbinenantrieb. Die Entstrom 480 zeichnet sich durch eine in dieser Klasse außergewöhnlich vielseitige Kabinenkonfiguration aus. Je nach Bedarf kann die Kabine für fünf Passagiere, als Schulversion mit drei Sitzen und Doppelsteuer, sowie als Frachtversion umgerüstet werden. Eduard Kus hatte die Gelegenheit, die Qualitäten der Enstrom 480 für den aerokurier im Flug zu erkunden. Er stellt dem einmotorigen Helikopter gute Noten aus. Neben der guten Bedienung und der leichten Beherrschbarkeit lobt er vor allem das günstige Autorotationsverhalten.

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BUSINESS AVIATION

Die Zukunft hat begonnen

Die steigende Nachfrage bei Geschäftsreiseflugzeugen geht einher mit lebhafter Entwicklungsarbeit bei den Herstellern von Avionik und Ausrüstung. Der US-Avionikgigant Honeywell kündigte auf der NBAA Ende November 1996 das Primus Epic an, eine neue Avionikfamilie, die in Flugzeugen vom zweimotorigen Turboprop bis zum Regional-Airliner Anwendung finden soll. Das System zeichnet sich unter anderem durch eine hohe Datenübertragungsgeschwindigkeit und große Aktivmatrix-LCD-Bildschirme, von denen zwei wie tragbare PC’s aus dem Panel herausgenommen und zum Beispiel in den Flugvorbereitungsraum mitgenommen werden können. Raytheon Aircraft will das System als Erstkunde in die brandneue Hawker Horizon einrüsten. Die ProLine-21-Avionik von Rockwell Collins scheint dem Honeywell-Produkt aber zeitlich in der Entwicklung vorraus sein und dürfte zur schärfsten Konkurrenz des Primus Epic heranwachsen.

Lowrance Avionics präsentierte das erfolgreich auf dem Markt eingeführte Airmap GPS, ein Handheld mit Moving-Map, auf dem auch terrestrische Details zur Anzeige gebracht werden.

Der kanadische Motorenhersteller Orenda Aerospace erwartet gute Absatzchancen für seine neuen Kolbenmotoren (500 bis 750 PS stark). Die Orenda-Motoren bieten sich sowohl für neu zu entwickelnde Flugzeuge als auch als Nachrüstung für zirka 18 Flugzeugtypen an. Williams International verhandelt mit der NASA über die gemeinsame Entwicklung eines kostengünstigen Turbofan-Antriebs für die Allgemeine Luftfahrt. FJX soll zirka 700 lbs Schub liefern.

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MAGAZIN

Den Kurs am PC-Schirm zeichen

Der Funktionsumfang des Flugplanungsprogramms MASTER-KURS von Kaufhold Flugnavigation hat noch einmal deutlich zugenommen. Unter einer DOS-Graphikoberfläche lassen sich jetzt IFR- und VFR-Vorhaben bequem und sicher am PC-Schirm zeichnen.

Sicherheit mit Charme serviert

Unmittelbar vor Jahresende 1996 ging der 100. Flugbegleiterlehrgang der Lufthansa CityLine zu Ende. Pro Jahr werden im eigenen Trainingszentrum in Köln Porz-Lind etwa 100 Flugbegleiter ausgebildet. Der siebenwöchige Lehrgang schließt ein neuntägiges Emergency-Training mit ein.

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PRAXIS

Notfalltraining: Mehr Sicherheit durch Take-off-Briefing

Fällt beim Startvorgang der Motor aus, bleibt keine Zeit zum Überlegen. Ein richtiges Take-off-Briefing vor dem Start kann darüber entscheiden ob sich ein technisches Problem zur menschlichen Katastrophe ausweitet oder nicht.

Fortbildung: Human Factors durch Begreifen erlernen

Piloten sollten vor und während des Fluges dem Flugverlauf höchste Priorität beimessen. Dies geschieht aus allzu menschlichen Gründen nicht immer.

Motorüberwinterung: Wer rastet, der rostet

So manches Flugzeug wird im Winter kaum geflogen. Ohne schützende Maßnahmen sind die Motoren Rost und Korrosion ausgesetzt – oft mit bleibenden Schäden. Eine Checkliste zur Motorüberwinterung.

Flugmechanik: Das Lastvielfache ist nicht zu unterschätzen

Mit Erhöhung des Lastvielfachen nehmen nehmen Belastung und Überziehgeschwindigkeit zu. Aber nicht nur im Kurvenflug, sondern auch bei anderen Flugmanövern.

Unfall-Analyse: Absturz nach Motorausfall im Start

Unmittelbar nach dem Abheben versagte der Motor einer Dornier Do 27. Der Versuch des Piloten, in einer engen Umkehrkurve zum Platz zurückzukehren, schlug fehl. Vier Menschen starben.

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ULTRALEICHT

So wird Tecnams neue P96 Golf

Der aerokurier veröffentlicht exklusiv erste Bilder von Tecnams neuem Tiefdecker, der P96 Golf. Wie das Schwestermodell, der Hochdecker P92 Echo, soll das Flugzeug zunächst in der UL-Klasse, später auch nach JAR-VLA zugelassen werden. Viele Komponenten der P96 sind identisch mit dem Hochdecker, zum Beispiel die gesamte Antriebseinheit mit dem Rotax 912. In Deutschland wird die P96 zum ersten Mal im April auf der AERO in Friedrichshafen zu sehen sein.

Wild Thing geht in die Flugerprobung

Noch im Januar sollte die Flugerprobung des Wild Thing starten. Der Hochdecker (Leichtbauweise in Ganzmetall), der bei Aerostar in Rumänien gebaut wird, ist das erste Flugzeug in Deutschland, das den australischen Jabiru-Flugmotor verwendet.

Neue Funk-Geräte zum Fliegen

Gleich zwei neue UL-Flugzeuge von Konstrukteur Otto Funk stehen vor dem Erstflug. Der Tandemsitzer FK 11 mit zentralem Rumpfmotor, derzeit ein 52 PS starker Suzuki-Dreizylinder-Viertakter, und zwei Propellern betritt antriebstechnisches Neuland. Konventioneller aber mit optimierter Aerodynamik präsentiert sich der neue Sportdoppeldecker FK 12 Comet, der im März zum Erstflug starten soll. Die ersten Kundenflugzeuge will Firmenchef Peter Funk ab Sommer ausliefern.

Zauberformel trikonische Kappe?

Aus Tschechien kommt ein neues Rettungssystem für Geschwindigkeiten bis 220 km/h. Im Frühjahr soll das USH 520 auf dem deutschen Markt eingeführt werden.

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REISE

Reizvoller Osten

Der zweite Teil des aerokurier-Trips entlang Oder, Spree und Neiße führt in den Südosten der neuen Bundeländer. Die Spreelandschaft Brandenburgs und das Elbsandsteingebirge sind attraktive Ziele zum Luftwandern.

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SEGELFLUG

ASW 15 oder Standard Cirrus?

Die Anschaffungskosten für neue Segelflugzeuge können leicht die 100.000-Mark-Grenze überschreiten. Viel Flugzeug für relativ wenig Geld bietet dagegen der Gebrauchtmarkt im Bereich der alten Standard-Klasse. Michael Seischab, Mitglied der Clubklasse-Nationalmannschaft mit 800 Stunden Flugerfahrung auf der ASW 15B, stuft die ASW 15 als das Clubklasseflugzeug mit dem derzeit besten Preis-Leistungs-Verhältnis ein. Aber auch der Standard Cirrus ist ein beliebtes Flugzeug – bei Clubklasse-Wettbewerben ist es das meisteingesetzte Muster. Wir sagen Ihnen, worauf Sie sonst noch beim Kauf speziell deiser beiden Muster achten sollten.

Keine kalten Füße dank Footwarmers

Hotronic Deutschland bietet robuste Heizsohlen für den Freizeitbereich an. Sie eignen sich besonders für den Einsatz in Segelflugzeug-Cockpits, wo es bei längeren Flügen empfindlich kalt werden kann.

Horten 2L in Berlin im Technikmuseum

Das Deutsche Technikmuseum Berlin hat im Rahmen eines Kooperationsprojekts mit dem National Air and Space Museum in Washington, USA; die Restaurierung von vier Horten Nurflüglern übernommen. Das erste Ergebnis dieser Arbeit, eine fast vollständig restaurierte Horten 2 L, die Ende letzten Jahres kurz der Öffentlichkeit präsentiert wurde, bleibt in Berlin und wird im neuen Jahrtausend zu besichtigen sein, wenn der Neubau des Museums fertiggestellt ist.

Meisterschaft der Offenen Klasse in Polen

Der Aeroklub Ziemi Lubuskiej, der für den nationalen Aero Club Polens vom 18. Mai bis 1. Juni die Staatsmeisterschaft der Offenen Klasse mit internationaler Beteiligung organisiert, bietet mit der vorhanden Infrastruktur beste Vorraussetzungen für eine Reibungslose Durchführung der Meisterschaft.

Kommentar: Die Möglichkeiten des Motorseglers nutzen

Hans-Werner Grosse plädiert dafür, den Motor im Segelflug als Bereicherung anzuerkennen. Er meint, daß man auch bei Meisterschaften auf sinnlose Integrationsversuche verzichten sollte. Er kann sich spezielle Motorsegler-Wettbewerbe vorstellen, die eine genau festgelegte Motoreinsatzzeit vorsehen. Neben anderen Vorteilen könnte so zum Beispiel das Pulkfliegen vermieden werden.

Neuer Streckenflugrechner mit Simulator fürs PC-Training

Peschges Variometer hat Ende letzten Jahres den Segelflugbordrechner VP9 als neues Einstiegsmodell vorgestellt. Im Paket enthalten ist auch ein Simulatorprogramm, mit dem sich die Nutzer am heimischen PC in aller Ruhe mit der Bedienung und Funktionsweise des Rechners vertraut machen können.

Fliegerlager in Zielona Gora

Polen hat für Luftsportler viel zu bieten: gute bis ausgezeichnete thermische Bedingungen, minimale Luftraumbeschränkungen und moderate Preise. Die Grevener Segelflieger haben bei einem Ferienlager am Flugplatz von Zielona Gora gute Erfahrungen gesammelt. Der örtliche Aeroklub Ziemi Lubuskiej ist ein lebendiger Verein mit vielen jungen, motivierten Mitgliedern. Der Clubdirektor setzt sich zudem sehr engagiert für die deutsch-polnische Verständigung ein.

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Last updated February 17, 1997