aerokurier
1/1999
Editorial Goldenes Jubiläum / Reportage Power
Aerobatic mit Sean D. Tucker / Pilot Report Beechcraft Duke B60 / Magazin Avioniktrends
auf der NBAA in Las Vegas, Beruf Linienpilotin: Der lange Weg ins Cockpit, Avionik: Moving
Terrain Ultra / Reise Auf Amundsens Spuren, Teil 2: Motivsuche in der
Arktis / Flying
Vor dem Start der 2. Staffel: Medicopter 117 /
Praxis Sicherheit: Alpinisten-Kurs I,
Eiszeit für Luftfahrzeuge, Feuer an Bord, IFR-Ausbildung: Nützliches Lernmittel,
Unfall-Analyse: Helikopterabsturz nach Seilkollision
/ Ultraleicht Loehle
Sport Parasol: Fliegen zum Spartarif, Ecolights scheitern an Schweizer Bundesrat / Segelflug Neue
Formen für Wettbewerbe gesucht, Worauf kommts an bei Wettbewerben?, Soteira:
Retterin im Segelflug, Segelfliegertag: Klein, aber fein, Förderverein Rettungssysteme,
Segelflug: Positionsbestimmung, Erich Klöckners Vorstoß zur Tropopause, Peter Riedel
1905 1998, Mit der Sonne nach Süden / Special Maintenance Editorial: An die
Kleinen denken, Triebwerksüberholung bei Lufthansa Technik, MTU Maintenance: globale
Joint-Ventures, Schäden im Faserverbund, Avionik: Damits richtig rund geht,
Rotorblatt-Maintenance: Blätterkunde(n), Branchenspiegel
EDITORIAL
Goldenes Jubiläum
Der aerokurier feiert mit diesem Heft die 500. Ausgabe seit seiner Gründung im April
1957. Für eine Monatszeitschrift ist das ein stolzes Jubiläum, so auch für uns, das
Team vom aerokurier. 500 Ausgaben aerokurier, das sind mehr als 60000 Seiten Information
über die Luftfahrt!
Unser Bestreben war und ist es, Sie als Leser aus erster Hand über wichtige Ereignisse
aktuell zu informieren. Dafür betreiben Verlag und Redaktion einen hohen Aufwand. Und
deshalb sind die aerokurier-Redakteure für Sie vor Ort. In Deutschland, in Europa und in
der ganzen Welt.
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REPORTAGE
Power Aerobatic mit Sean D. Tucker
Sean D. Tucker ist der härteste Pilot im Airshow-Zirkus. Was er aus seinem
Kunstflug-Doppeldecker fliegerisch herauskitzelt, ist schlichtweg atemberaubend. Nicht nur
für die Zuschauer, auch für Tucker: Er zieht bei seiner Show bis zu 12 g.
"Letztes Jahr hab' ich mir den Halswirbel angebrochen", erklärt der Pilot im
schwarzen Overall den verblüfften Zuschauern, während er sich vor dem Start eine dicke
Halskrause anlegt. So eine, wie sie sich Formel-Eins-Rennfahrer umbinden, damit ihnen der
schwere Helm bei seitlichen Stößen nicht den Kopf umknickt. "Schleudertrauma der
Halswirbelsäule" nennen die Ärzte dieses Malheur, das alles andere als
ungefährlich ist.
Bei einer Airshow im vergangenen Jahr hatte sich Sean D. Tucker den Hals so heftig
verdreht, daß ein Wirbel nachgab. Die Ärzte verpaßten ihm einen Gips und mehrere Monate
Flugverbot. Die dicke Stoffwurst um den Hals sowie der Fallschirm sind seitdem von seiner
Berufsunfähigkeitsversicherung vorgeschrieben.
Die Reprotage zeigt Sean Tucker mit faszinierend Fotos in Aktion.
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PILOT REPORT
Beechcraft Duke B60
Nicht nur bei klassischen Automobilen gibt es so etwas wie zeitlose Schönheit, auch
unter Flugzeugen finden sich Modelle, die schick bleiben und denen die Zeit nichts
anzuhaben vermag. Die Druckkabinen-Zweimot Duke, bei Beech bis 1982 im Programm, zählt
dazu.
Die B60, deren Markteinführung 1974 erfolgte, wartete im Vergleich zu den Vorversionen
mit etwas mehr Innenraum auf. Der bis dahin nach hinten leicht ansteigende Kabinenboden
wurde flach angelegt. Als Option erhältliche Flügelspitzentanks erhöhten das
Tankvolumen auf satte 232 US-Gallonen (878 l). 195 000 Dollar kostete die B60 zum
Zeitpunkt ihrer Markteinführung (1968) für heutige Verhältnisse ein Spottpreis.
1982, zum Produktionsende, hingegen wurden 584 000 Dollar verlangt.
Im Pilot Report dieser Ausgabe beschreibt der aerokurier-Mitarbeiter Bob Grimstead aus
Großbritannien seinen Ausflug in einem äußerst gepflegten Exemplar der B60. Ergänzt
wird seine Schilderung durch eine Einschätzung Martin Hagensiekers aus Bad Essen. Er gilt
in unseren Breiten als der Duke-Spezialist. Seit 1990 befaßt sich Hagensieker aus Passion
mit der Duke. 1400 Stunden war er bislang in dieser attraktiven Zweimot unterwegs,
darunter: mehrere Flüge über den "großen Teich".
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MAGAZIN
Avioniktrends auf der NBAA in Las Vegas
Avionik wird immer kompakter und komplexer. Nun sucht man Wege, die den Piloten helfen,
die Systeme leichter zu verstehen und zu bedienen. Piloten geraten bei Avionikherstellern
zusehends in den Mittelpunkt der Betrachtungen. Die Miniaturisierung der Elektronik in der
Vergangenheit sowie die dadurch mögliche Integration mehrerer Sensoren (GPS, VOR, ILS,
COM, Autopilot) in ein System haben dazu geführt, daß nicht nur Fragen nach der
technischen Realisierbarkeit eines Instruments oder Systems, sondern auch Fragen nach der
Bedienbarkeit durch den Menschen bereits bei der Auslegung und der Entwicklung gestellt
werden.
Beruf Linienpilotin: Der lange Weg ins Cockpit
Der Weg zum akzeptierten Crewmitglied verlangt Steherqualitäten. Erst recht, wenn eine
Frau als Quereinsteigerin in die frühere Männerdomäne eindringt.
Avionik: Moving Terrain Ultra
Mit dem Finger auf der Karte dem Flugverlauf folgen? Muß nicht sein. Von der Münchner
Firma Moving Terrain stammt eine klar bessere, wenngleich teurere Alternative. MT-Ultra
heißt sie. Das Gerät ist nutzerfreundlich. Auf Mehrfachbelegungen von Tasten wurde
bewußt verzichtet. Die Farbqualität und Darstellungsschärfe überzeugen. Geboten wird
VGA-Auflösung (640 x 480 Pixel). Das Display ist auch von den Seiten aus gut abzulesen
Die Kosten für das MT-Ultra selbst belaufen sich auf 17261 Mark. Im Preis enthalten:
die europäische NAV-Datenbank, die komplette Hardware und die Karten eines europäischen
Landes freier Wahl.
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REISE
Auf Amundsens Spuren/Teil 2: Motivsuche in der Arktis
In 19 Tagen flogen die drei deutschen Piloten Helmut Scharpf, Wolfgang Scherer und Dr.
Franz Stadtbäumer mit einer P.68 Partenavia von Bayern über Grönland bis zur
Beringstraße. Im zweiten Teil ihres Reiseberichtes wird der Rückflug von Alaska aus
beschrieben. Die drei Piloten benutzten überwiegend jene Route, die Roald Amundsen zu
Anfang des Jahrhunderts erstmalig durchgehend mit einem Schiff befahren hatte: die
legendäre Nordwest-Passage, Verbindung zwischen Atlantik und Pazifik über den Norden
Nordamerikas. Herrliche Bilder einer überaus vielschichtigen Landschaft mit
beeindruckender Weite sind die Ausbeute der mehr als 22000 km langen Flugreise.
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FLYING
Vor dem Start der 2. Staffel: Medicopter 117
Die RTL-Serie "Medicopter 117" setzte mit ihren atemberaubenden
Hubschrauber-Flugszenen völlig neue Maßstäbe im deutschen Actionfernsehen. Mit
Einschaltquoten von mehr als fünf Millionen Zuschauern pro Folge stieg auch die
Popularität des Drehflüglers in der Bevölkerung. In Wien und Umgebung wurde im Sommer
die zweite Staffel gedreht, die in Kürze ausgestrahlt wird. Der aerokurier war bei den
Dreharbeiten dabei und erlebte die beiden TV-Crews samt BK 117 und ihrem Piloten Hans
Ostler live und in Farbe.
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PRAXIS
Sicherheit: Alpinisten-Kurs I
Wohl keine Landschaft hält so begeisternde Flugerlebnisse parat wie das Hochgebirge.
Aber kein Fluggebiet fordert auch mehr Können vom Piloten. Ganz klar: Das Studium am
grünen Tisch, sei es auch noch so gründlich, kann die praktische Alpeneinweisung mit
einem qualifizierten Fluglehrer niemals ersetzen. Unsere zwei aerokurier-Folgen zum
alpinen Fliegen können Ihnen jedoch bei der Vorbereitung darauf helfen.
Eiszeit für Luftfahrzeuge
In seinem Praxisbeitrag beschreibt Roland Straub, warum es vor Einbruch der kalten
Jahreszeit so wichtig ist, darauf zu achten, daß das Motoröl in Ihrem Flugzeug die
richtige Spezifikation besitzt. Vermehrte Aufmerksamkeit beansprucht im Winter auch die
Batterie. Und nur wer sein Flugzeug regelmäßig fliegt, verhindert wirksam Korrosion im
und am Motor. Standläufe am Boden alleine nützen nichts.
Feuer an Bord
Feuer an Bod eines Flugzeugs ist äußerst gefährlich. Entwickelt es sich im Cockpit,
kann der Pilot binnen kürzester Zeit handlungsunfähig werden, das eigentlich noch
intakte Flugzeug gerät außer Kontrolle und stürzt ab. Insbesondere die umfangreiche
Elektronik im Cockpit birgt die latente Gefahr eines Brandes. Der Kurzschluß wird dann
zum Desaster, wenn der Pilot nicht schnell und gezielt reagieren kann. Deshalb sollte die
Notfall-Checkliste immer griffbereit sein. Zudem sollte der Pilot immer parat haben, was
er im Falle eines Feuers an Bord tun muß.
IFR-Ausbildung: Nützliches Lernmittel
Elektronische Hilfsmittel, von der Lernsoftware bis zum PC-gestützten
Verfahrensübungstrainer helfen IFR-Schülern bei der Ausbildung. Nun gibt es ein neues
mechanisches Lernmittel, das hilfreiche Dienste leisten will. Oswald Pietschmann aus
München hat mit dem Avigat 764 ein mechanisches Lernmittel entwickelt, das angehenden
IFR-Piloten bei der Funknavigation und der räumlichen Orientierung hilft.
Unfall-Analyse: Helikopterabsturz nach Seilkollision
Das unzureichend gekennzeichnete Zugseil einer Materialseilbahn im österreichischen
Vorarlberg wurde dem Piloten eines deutschen Rettungshubschraubers zum Verhängnis. Seine
Maschine geriet auf der Suche nach einer Verletzten Skifahrerin in das Seil und stürzte
ab. Während der Pilot getötet wurde, überlebten Rettungsassistent und Arzt den Unfall
schwerverletzt. In der weitergehenden Ermittlung der österreichischen Behörden wurde
auch geprüft, ob der Unfall zu verhindern gewesen wäre, wenn der Helikopter, eine BO 105
C, mit einem Kabelkappsystem (Wire Strike Protection System/WSPS) ausgerüstet gewesen
wäre.
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ULTRALEICHT
Loehle Sport Parasol: Fliegen zum Spartarif
Für die einen ist der Sport Parasol eines der billigsten Flugzeuge der Welt. Für die
anderen zählt der Riesenspaß am Eigenbau und am Fliegen ohne Aufwand.
Nach über zwei Jahren Fleißarbeit hat Wolfgang Fritz den einfachen, offenen
Hochdecker in Holzbauweise fertiggestellt. Im aerokurier berichtet er über seine
Erfahrungen beim Bau und über das faszinierende Flugerlebnis mit diesem ungewöhnlichen
Einsitzer.
Ecolights scheitern an Schweizer Bundesrat
Das Ecolight-Projekt des Aero-Club der Schweiz (AeCS) ist jetzt an der Politik
gescheitert. Die neue Klasse umweltfreundlicher Motorflugzeuge, die sich teilweise an die
ULs anlehnt, wird es damit am Schweizer Himmel auf absehbare Zeit nicht geben.
Trotz der ausdrücklichen Unterstützung der Ecolights durch das Bundesamt für
Zivilluftfahrt (BAZL) lehnte der zuständige Minister für Umwelt, Energie und
Kommunikation, Bundesrat Moritz Leuenberger, die Genehmigung dieser Flugzeuge ab. Es werde
befürchtet, daß "die Einführung der Ecolight-Aircraft trotz eines anzunehmenden
Substituierungseffektes eine zahlenmäßige Zunahme von Flugzeugen zur Folge hätte",
heißt es in dem Ablehnungsschreiben.
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SEGELFLUG
Neue Formen für Wettbewerbe gesucht
Segelfliegen ist ein faszinierender Erlebnissport. In Wettbewerben heutiger Prägung
gerät die Faszination aber zunehmend in Gefahr.
Neue Formen für Wettbewerbe sind notwendig. Bei deutschen und internationalen
Wettbewerben steht Taktieren im Vordergrund. Die zur Perfektion getriebene Umsetzung der
Erkenntnis, daß es nur darauf ankommt, relativ besser zu sein als der Konkurrent, lähmt
jede Initiative. So wird selbst bei sehr großen Aufgaben mit dem Abflug bis zum letzten
Augenblick gewartet, nur um nicht selbst den Vorreiter zu spielen, der möglicherweise von
den Hinterherfliegern "abgekocht" wird. Die Aufgabe selbst sie so gut es
geht zu meistern ist nicht die Herausforderung; es reicht, bei der am Ende
selbstverschuldeten Streckenwertung ein wenig weiter geflogen zu sein. In letzter
Konsequenz verliert das Segelfliegen als eine Auseinandersetzung mit der Natur damit
seinen ursprünglichen Reiz.
Worauf kommts an bei Wettbewerben?
Wer hat schon einmal andere Wettbewerbsformen ausprobiert? Welche Erfahrungen wurden
gemacht? Wo liegen die Stärken, die Schwächen? Welche Aufgabenformen sollten auf
jedenfall neu ins Angebot von Wettbewerben aufgenommen werden? Welche Nachteile können
dafür ruhig in Kauf genommen werden?
In den nächsten aerokurier-Ausgaben sollen diese Erfahrungen und Vorschläge
vorgestellt werden. Ideen sind gefragt. Kontakt: aerokurier, Ubierstraße 83, 53173
Bonn, Tel: 0228-9565-131, Fax: -246, E-Mail: aerokurier@compuserve.com.
Soteira: Retterin im Segelflug
Erstmals Nachrüstoptionen für ältere Segelflugzeuge eröffnet ein Rettungssystem,
das die Akaflieg Darmstadt für ihren neuen Doppelsitzer D-43 entwickelt.
Noch gibt es Soteira (griechisch), die Retterin für die D-43, nicht. Aber das Konzept
der Darmstädter Studenten für ihr Rettungssystem verspricht über den zunächst einmal
geplanten Einsatz im Schul- und Trainingsdoppelsitzer D-43 hinaus Anwendungsmöglichkeiten
bei all den Segelflugzeugen, die von dem heute mit Nachdruck geforderten
Gesamtrettungssystem wenn es denn kommt aller Wahrscheinlichkeit nach nicht
profitieren können. Das sind alle heute bereits im Einsatz befindlichen Segelflugzeuge.
Aber auch die in Produktion stehenden motorisierten Varianten sowie alle größeren, das
heißt schwereren Muster mit mehr als 15 m Spannweite, und da vor allem die Doppelsitzer,
dürften ebenfalls auf absehbare Zeit von der Ausrüstmöglichkeit mit einem
Gesamtrettungssystem ausgeschlossen bleiben.
Segelfliegertag: Klein, aber fein
Es drohte eine Art Not-Segelfliegertag zu werden. Am Ende hatte die Segelflugkommission
Anfang November in Gersfeld aber ein gelungenes Treffen organisiert.
Für den 57. Segelfliegertag vom 6. bis 7. November 98 hatte sich kein
Landesverband als Ausrichter gefunden. Der Hauptversammlung der Sportsparte Segelflug im
Deutschen Aero Club drohte damit der Rückfall zur reinen Regularienverwaltung früherer
Jahre. Aber auch Segelflugkommission und das Referat Segelflug in der Geschäftsstelle
können Segelfliegertage organisieren, und das kurzfristig und zudem ohne (teueren)
Eintritt! Das Angebot kam an: Vortragsprogramm und schon der Festakt am Samstagvormittag
mit Siegerehrung und Jahresbilanz des Vorsitzenden der Sportfachgruppe Segelflug,
Siegfried Kabbe, hatte die Gersfelder Stadthalle gefüllt. In Vortragssaal und in den
Vorräumen wie gewohnt Messeplatz für Zubehörhersteller ging es eng zu,
machte sich der Eindruck von Fülle breit.
Förderverein Rettungssysteme
Die vergangene Flugsaison hat es erneut klar vor Augen geführt: Der Personenfallschirm
ist kein adäquates Rettungsmittel im Segelflug. Ein integriertes Rettungssystem, ein
Bergungssystem für Segelflugzeug und Pilot oder eins, das den Piloten automatisch aus dem
Cockpit zieht, hätte einer ganzen Reihe von Piloten das Leben retten können. Nur das
gibt es (noch) nicht, seine Entwicklung kostet Zeit und Geld. Die Arbeiten in der
Forschung und in privaten Initiativen kommen lange nicht so gut voran, wie es zu wünschen
wäre. Am Geld dürfen Forschung und Entwicklung von Rettungssystemen aber nicht
scheitern.
Die Segelflugnationalmannschaft hat deshalb eine Initiative gestartet, die das
integrierte Rettungssystem zügig voranbringen soll. Das hat auf dem Segelfliegertag in
Gersfeld zur Gründung des Fördervereins Rettungssysteme geführt. Erstes Ziel des
Fördervereins als gemeinnütziger Institution ist es, die finanzielle Seite von Forschung
und Entwicklung für integrierte Rettungssysteme im Segelflug zusammenzutragen und sie
damit zu unterstützen. Das soll über die Beiträge der Mitglieder (Jahresbeitrag 50
Mark) und Spenden erfolgen.
Spitzenpiloten haben sich an den Kopf der Initiative gestellt: In der
Gründungsversammlung in Gersfeld wurde Michael Grund zum Vorsitzenden des Fördervereins
gewählt. Holger Back ist Stellvertreter, Walter Eisele Schatzmeister und Uli Schwenk
Schriftführer.
Wer bei der guten Sache mitmachen will, stellt um die Verwaltungskosten
möglichst geringzuhalten einen formlosen Antrag auf Aufnahme in den Förderverein
mit Abbuchungsauftrag (Bankverbindung) für den Jahresbeitrag (50 DM). Kontakt: Verein zur
Förderung von Rettungssystemen im Segelflug, c/o Walter Eisele, Sicherstraße 8, 73257
Köngen.
Segelflug: Positionsbestimmung
Auf dem Segelfliegertag hat die Sportfachgruppe Segelflug im DAeC Position zur Stellung
im Dachverband bezogen:
"Die Sportfachgruppe Segelflug erklärt übereinstimmend die Auffassung, daß die
geltende Satzung des DAeC eine vernünftige Grundlage für die Vertretung der Interessen
des Segelflugs in Deutschland darstellt. Die Autonomie der Sportfachgruppen darf nicht
angetastet werden. Die sportlichen Belange müssen durch die Sportfachgruppen geregelt
werden, und für die Erfüllung dieser Aufgaben ist die Autonomie auch in finanzieller
Hinsicht unverzichtbar. Die geltende Satzung bietet für diese Erfordernisse die
notwendigen Rahmenbedingungen.
Die Sportfachgruppe Segelflug fordert den Vorstand des DAeC auf, den Umzug der
Bundesgeschäftsstelle für eine grundlegende Reform der Organisation der
Bundesgeschäftsstelle zu nutzen. Es müssen alle Möglichkeiten zu Rationalisierung und
Kostenersparnis im Bereich der Bundesgeschäftsstelle ausgeschöpft werden. Freiwerdendes
Potential muß für die Schaffung einer Stelle für die hauptamtliche Bearbeitung von
Luftraumfragen genutzt werden.
Erich Klöckners Vorstoß zur Tropopause
Erich Klöckners Höhenweltrekord von 11460 m über Meereshöhe (NN) am 11. Oktober
1940 über den Alpen erhielt jetzt die späte, aber verdiente Anerkennung durch die FAI.
Am 11. Oktober 1940 hat Erich Klöckner als erster Segelflieger der Welt bei einem
Forschungsflug über dem Zentralmassiv der Alpen eine Höhe von über 10 km erreicht. Erst
nach dem Krieg, zehn Jahre später, wurde seine Rekordhöhe von 11460 m NN durch den
amerikanischen Segelflieger Bill Ivans im Rahmen eines ähnlichen meteorologischen
Forschungsprogrammes in der Sierra Nevada in den USA erreicht und überboten.
Peter Riedel 1905 1998
Fast von der Geburtsstunde des Segelflugs an hat Peter Riedel die Entwicklung des
sportlichen Segelflugs begleitet und geprägt. Er war schon beim Ersten Rhönwettbewerb
1920 dabei. Als 14jähriger stieß Peter Riedel zu den "Rhönindianern" und trug
später den Segelflug mit Expeditionen rund um die Welt. Er gewann die 14. Rhön, zwei
US-Meisterschaften und setzte mit einem siebenstündigen Thermikflug über der Weltstadt
New York ein Zeichen.
Beim Forschungsinstitut für Segelflug (DFS) in Darmstadt war Riedel bei Professor
Georgii Ingenieur- und Testpilot. Nach dem Krieg arbeitete er in den USA als Pilot und
Flugingenieur.
Im Jahr 1975 erfüllte sich Peter Riedel einen lange gehegten Wunsch, flog mit der Ka 6
von der Wasserkuppe aus 700 km weit nach Frankreich und erwarb so den dritten Diamnten zu
seiner Gold-C. Zu Hause in Ardmore, Oklahoma, USA, arbeitete Peter Riedel bis zuletzt an
ehrgzeigien Plänen zur Werbung für den Segelflug, so an einer Weltumrundung mit
motorisierten Segelflugzeugen. In seiner Trilogie "Erlebte Rhöngeschichte"
zeichnete er die Entwicklung des Segelflugs in den 20er und 30er Jahren in Deutschland
nach.
Peter Riedel ist am 6. November 1998 im Alter von 93 Jahren in Ardmore gestorben.
Mit der Sonne nach Süden
Raus aus dem kalten, grauen Norden auf die andere Seite der Hemisphäre. Sonne tanken.
Es locken thermische Bedingungen, die zu Hause selbst an besten Tagen nicht erlebt werden
können.
Noch richtig exotisch ist Südamerika. Individuelle Exkursionen haben die
Möglichkeiten in Chile ausgelotet. Die grandiosen Wellenflugmöglichkeiten auf der
Ostseite der Anden will jetzt Klaus Ohlmann schlichtweg der Spezialist für
Wellenstreckenflüge jenseits der 1000-km-Marke von Argentinien aus testen. Am
Rande der Zivilisation ein Abenteuer.
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SPECIAL MAINTENANCE
Editorial: An die Kleinen denken
Im Vorfeld dieses Specials befragte die Redaktion wieder die Luftfahrttechnischen
Betriebe in Deutschland, Österreich und der Schweiz nach ihren Einschätzungen und
Befindlichkeiten. Rund 46 Prozent der Unternehmen, die den Fragebogen beantworteten,
erwarten für ihre eigene Firma in den nächsten zwölf Monaten eine positive Entwicklung,
während nur 38 Prozent eine positive Entwicklung der gesamten Branche erwarten.
Kleine LTBs mit drei oder vier Beschäftigten haben keinen wirtschaftlichen Spielraum.
Und sie haben keine Lobby. Ihnen vernünftige Bedingungen zu bieten, ist nicht nur
gesamtwirtschaftlich sinnvoll denn sie schaffen hochqualifizierte Arbeitsplätze
sondern hilft auch den Flugplätzen, Kunden zu gewinnen.
Triebwerksüberholung bei Lufthansa Technik
Zwei Drittel des Arbeitsaufkommens in der Triebwerksabteilung der Lufthansa Technik in
Hamburg werden heute durch Kunden außerhalb der Fluglinie generiert. Auch wenn der
"Familienname" gleich ist die Lufthansa Technik arbeitet nicht
ausschließlich für die Fluglinie Lufthansa. Das trifft besonders auch für den
Produktbereich Triebwerke zu. Die Abteilung "Powerplant" ist nur zu etwa 35
Prozent des Arbeitsaufkommens mit LH-eigenen Aufträgen beschäftigt. 65 Prozent der
Arbeiten kommen von Fremdkunden. Weltweit werden rund 80 Kunden und mehr als 1500
Triebwerke betreut.
MTU Maintenance: globale Joint-Ventures
Die MTU Maintenance will weltweit zur Nummer Eins unter den unabhängigen
Triebwerks-Wartungsfirmen werden. Mit Gründung der MTU Maintenance Canada ist man diesem
Ziel einen Schritt näher gekommen.
Schäden im Faserverbund
Schäden in Faserverbundstrukturen haben es in sich. Mitunter lassen sie sich durch
bloßen Augenschein nicht ausmachen, obgleich sie sehr wohl erheblich sein können.
Es kommt immer wieder vor: Bei der Landung hat es ordentlich gekracht, aber zu sehen
ist nichts. Die erste oberflächliche Inspektion der Flugzeugzelle ergibt keine Anzeichen
auf einen Schaden. Also doch noch einmal alles gutgegangen? Bei einem Faserverbundflugzeug
muß das nicht so sein, das Gegenteil ist sehr viel wahrscheinlicher.
Faserverbundstrukturen stellen ihre Verletzungen nicht unbedingt theatralisch zur Schau.
Gerade wenn es sich um ein älteres Flugzeug handelt, hat sich vielleicht nur ein weiterer
Lackriß zu längst vorhandenen Altersrissen gesellt. Und der wird dann im Wunschdenken,
daß doch alles halb so schlimm war, gerne übersehen.
Avionik: Damits richtig rund geht
Spezialwissen und feinmechanisches Geschick sind bei der Reparatur von
Kreiselinstrumenten gefragt. Kreiselinstrumente sind hochpräzise Wunderwerke der
Feinmechanik. Über die Wartung und Pflege dieser (bei Flügen unter
Instrumentenflugbedingungen) lebenswichtigen Geräte machen sich allerdings die wenigsten
Piloten Gedanken.
Rotorblatt-Maintenance: Blätterkunde(n)
Rotorblätter bestehen aus robusten Materialien, weil sie im Fluge besonderen
Belastungen ausgesetzt sind. Eigentlich bedürfen sie deshalb auch kaum einer Wartung.
Sollten sie aber doch beschädigt werden, können sie bei fachgerechter Reparatur wieder
flugfähig werden.
Branchenspiegel
Die Luftfahrttechnischen Betriebe in Deutschland, Österreich und der Schweiz.
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