aerokurier 10/2000
Editiorial JAR-FCL am Ende? / Reportage
Die Etrich-Taube: "Sie zu fliegen, will gelernt sein." / Pilot Report Pilot
Report Dyn Aéro MCR 4S / Business Aviation Die superleichten
Business-Jets / Magazin
AirVenture 2000: Teil 2, Symphony: Zulassung in Rekordzeit, Auf Floats:
Ikarus C-42 geht aufs Wasser, RSA-Treffen 2000 / Reise Entlang der
US-Pazifikküste mit einer R22 / Hubschrauber Deutsche Hubschraubermeisterschaft,
Trauung über Hangelar Hochzeits-Helikopter
/ Flying Präziszionsflug-WM / Praxis
Know-how: Bewusst leiser fliegen, VFR-Auslandsflug: Nordische Kultstätten,
Grundkurs in Kursen, Unfall-Analyse: Vom Fallwind kalt erwischt / Ultraleicht CH
601 DX Zodiac, Rekord: 58 Flugplätze an einem Tag, UL-Europameisterschaften / Segelflug F-Schlepp: Problem Taumelschwingung,
Oldies auf Welttournee, Zehn Tage Segelflieger-Paradies (Teil II), Europameisterschaft:
Titeljagd im Norden, Deutsche Meisterschaft der Frauen, DM Kunstflug: Erster Titel für
Detlev Eilers, Heidepokal 2000, Brandenburger und Berliner Meisterschaft,
Polen-Meisterschaft, Segelflugszene: Jetzt neue überregionale Luftsportvereinigung
EDITORIAL
JAR-FCL am Ende?
Die in einigen Ländern der JAA bereits in Kraft getretene neue Euro-Lizenz JAR-FCL
gerät unter Feuer. In Großbritannien arbeitet die nationale Luftfahrtbehörde Civil
Aviation Authority (CAA) an einer neuen Lizenz für Privatpiloten namens NPPL, National
Private Pilots Licence, die schnellstmöglich parallel zur JAR-FCL eingeführt werden
soll.
Eigentlich schien die Reform der Privatpilotenausbildung geglückt,
denn die JAR-FCL-Ausbildung ist umfangreicher als die aller anderen nationalen PPL.
Allerdings verteuern die JAR-FCL-Vorschriften den Einstieg in die Fliegerei und
verschrecken so potenzielle Interessenten.
Schon früh meldete Frankreich seine Bedenken an und bestand auf dem
Erhalt einer abgespeckten nationalen Freizeitpilotenlizenz, spöttisch
"Platzadlerschein" genannt. Jetzt hat auch die CAA reagiert: Die neue NPPL, die
nur innerhalb des britischen Luftraums gelten soll, sieht nur einen Gesundheitscheck durch
den Hausarzt vor und gilt nur für VFR-Flüge mit Flugzeugen bis 2000 kg MTOW.
Mit der geplanten Einführung der NPPL in Großbritannien ist die
Euro-Lizenz nicht am Ende, aber die Behörden, die sie sich ausgedacht haben, sind auf dem
Boden der Tatsachen angekommen. Und das ist kein schlechter Ausgangspunkt.
Zurück zum Kopf der Seite
REPORTAGE
Die Etrich-Taube: "Sie zu fliegen, will gelernt sein."
Wer heutzutage als Testpilot ein Flugzeug zum ersten Mal fliegt, kann sicher sein, dass
er von wirklich bösen Überraschungen verschont bleibt. Was aber, wenn es gilt, den
originalgetreuen Nachbau einer Etrich-Taube aus dem Jahre 1911 zum Erstflug zu bringen?
Testpilot Heiner Neumann hatte das Vergnügen.
Erst nach seinen ersten Flügen entdeckte Neumann, dass Hellmuth Hirth, der 14 Jahre
ältere Bruder von Wolf Hirth, 1911 in Wiener Neustadt auf der Taube eine Einweisung
erhalten und in seinem Buch "Meine Flugerlebnisse" die Flugeigenschaften dieses
Flugapparates umfassend beschrieben hatte. Was lag näher, als die eigenen Eindrücke
denen aus längst vergangenen Tagen gegenüberzustellen. Neumann beschreibt, mit wie viel
Fingerspitzengefühl die Taube geflogen werden muss. Ein spannender Insider-Report, den
brillante Fotos abrunden.
Zurück zum Kopf der Seite
PILOT REPORT
Pilot Report Dyn Aéro MCR 4S
Neu aus dem französischen Rennstall Dyn Aéro ist die viersitzige MCR 4S. Mit ihrem
Ausgangsmodell, dem Zweisitzer MCR 01, verbindet sie viel Konzeptionelles und
Konstruktives.
Der Tiefdecker steht sehr gefällig da. Im Vergleich zum Zweisitzer
wirkt er nicht so filigran. Die Oberflächengüte des Prototypen überzeugt. Wie schon
beim Zweisitzer umschließt die Cowling den Rotax-Antrieb, in diesem Fall einen 912S,
hauteng. Die für die Ansaug- und Motorkühlluft benötigten Öffnungen reduzieren sich in
Größe und Zahl auf ein Minimum.
Als Propeller kommt, gleichgültig, welche der beiden in Frage
kommenden Motorisierungen (912S oder 914) gewählt wird, ein breitblättriger
Constant-Speed-Prop von Mühlbauer zum Einsatz.
120 Liter Treibstoff lassen sich in die beiden Flügeltanks füllen.
Das ermöglicht eine Endurance von acht Stunden zuzüglich sicherer Reserve. Am
Fahrtmesser stellen sich dabei 222 km/h (120 KIAS) ein.
Zurück zum Kopf der Seite
BUSINESS AVIATION
Die superleichten Business-Jets
Bisher galt der Cessna CitationJet als Vorbild für die Klasse leichter Business-Jets.
"Superleicht", preiswert und einfach zu bedienen verspricht die neue Generation
von Geschäftsreisejets unterhalb der Citation-Klasse zu werden, an der zurzeit mit
Hochdruck gearbeitet wird.
Zurück zum Kopf der Seite
MAGAZIN
AirVenture 2000: Teil 2
Das EAA-Fly-in in Oshkosh ist schon lange nicht mehr nur das Ereignis für
Experimentalflieger. Auch alle "richtigen" Flugzeughersteller kommen Jahr für
Jahr und jene, die irgendwann einmal dazu gezählt werden möchten. Wir haben uns
umgesehen, was sie zu bieten hatten.
Zu den Neuheiten zählte die M-309, eine sechssitzige Push-Pull,
die schon wegen ihrer ungewöhnlichen Leitwerksauslegung auffällt. Um bei den
"dickeren" Flugzeugen zu bleiben: Sherpa Aircraft präsentierte die Sherpa
Turbo 8, ein Achtsitzer, der aussieht wie eine übergroße Super Cub. Motorisiert wird
die Riesen-Single von einem ebenso gewaltigen Lycoming TIO-720, von zwei Turbos aufgeladen
und 450 PS stark.
Ihr Oshkosh-Debüt gab auch ein anderes, ebenfalls achtsitziges und
STOL-taugliches Nutzflugzeug die Gavilan 358 aus Kolumbien. Im Gegensatz zur
Sherpa Turbo 8 ist sie schon seit Mai 1998 FAA-musterzugelassen.
Deutlich mehr ausgeben muss ein Kunde, der sich für die
australische Explorer entscheiden sollte. Die günstigste Version 500R, angetrieben von
einem 600 PS starken Orenda-V-8, soll 820000 Dollar kosten. Vorgestellt wurde die Version Explorer
500T mit 600 PS Pratt & Whitney-Turbine PT6-135B.
Neuigkeiten auch bei der Lancair Company. Vorgestellt wurde die Columbia
Turbo 400. Sie basiert auf der musterzugelassenen Columbia 300, bedient sich aber
eines 310 PS starken Turbo-Motors TSIO-550C aus dem Hause Teledyne Continental Motors
(TCM). Micco Aircraft aus Florida brachte zum AirVenture die angekündigte SP26
mit. Die zweisitzige Spornradmaschine verwendet einen 260 PS starken
Lycoming-Sechszylinder IO-540T4B5.
Symphony: Zulassung in Rekordzeit
Neubrandenburg: Das LBA hat die OMF-160 Symphony zugelassen. Am 29. August
übergab LBA-Direktor Ulrich Schwierczinski im Beisein von Bundeskanzler Gerhard Schröder
und dem Ministerpräsidenten von Mecklenburg-Vorpommern, Harald Ringsdorf, die
Zulassungsurkunde für den neuen Zweisitzer. Gleichzeitig wurde die Ostmecklenburgische
Flugzeugbau GmbH als Herstellerbetrieb anerkannt. Das Tempo, in der die Symphony den
Zulassungsprozeß durchlief, ist rekordverdächtig. Nur 872 Tage lagen zwischen der
Gründung der OMF und der JAR-23-Zulassung des Schulterdeckers.
Auf Floats: Ikarus C-42 geht aufs Wasser
Hohentengen: Comco Ikarus hat den Marktrenner C-42 auf Floats gestellt.
Anfang August führte der Hersteller die Erprobung mit Erfolg auf einem Baggersee bei
Mengen durch. Mit Unterstützung des Herstellers sollen künftig auch deutsche Kunden in
Finnland selbst Wasserfliegen können. Dort erhalten sie eine Wasserflugeinweisung bevor
es auf Flugsafaris durch die Wildnis der finnischen Seenlandschaft geht.
RSA-Treffen 2000
Topwetter, jede Menge Besucher und eine breite Palette an Flugzeugen machten das 20.
Jahrestreffen der französischen Experimentalflugzeug-Vereinigung (RSA) zu einer
gelungenen Veranstaltung.
Zu den Neuheiten zählte die UL-Variante der Jodel D 20.
Einen guten Eindruck hinterließ auch die Vega der Firma Aviakit. Zu den weiteren
Höhepunkten des Treffens zählte die Präsentation der DG 01 des Franzosen Denis
Guillotel.
Für die Preisverleihungen wurden 41 Flugzeuge bewertet. In
der Kategorie der Einsitzer siegte eine Sagitaire CL 8. In der Doppelsitzer-Klasse nahm
eine zweisitzige Quercy verdient den Pokal mit nach Hause. Gebaut worden ist sie von einem
Club in Montauban.
Perfekt gebaut präsentierte sich die erste französische
Velocity 200 RG, ausgerüstet mit einem 200-PS-Motor und Einziehfahrwerk. Der Viersitzer
schafft im Reiseflug beachtliche 175 kts (324 km/h), maximal ist er bis zu 200 kts (370
km/h) schnell.
Zurück zum Kopf der Seite
REISE
Entlang der US-Pazifikküste mit einer R22
Über eine Strecke von mehr als 2500 km flogen die beiden Hubschrauberpiloten Bernhard
Schmid und Florian Wagner entlang der US-Pazifikküste von Los Angeles nach Cape Blanco in
Oregon. Als Fluggerät diente ihnen eine zweisitzige Robinson R22, die unterwegs ihre
Qualitäten als Reisehubschrauber unter Beweis stellen musste.
Zurück zum Kopf der Seite
HUBSCHRAUBER
Deutsche Hubschraubermeisterschaft
Mit einem soliden Punkteabstand entschieden Holger Hoven und Michael Schauff auf einer
Schweizer 300 die Offene Deutsche Hubschraubermeisterschaft 2000 für sich. An den
Wettkämpfen im thüringischen Eisenach nahmen 15 Teams teil, darunter auch je eine
Gastmannschaft aus Japan und aus Österreich. Vizemeister wurden Heinz Schäfer/Peter
Schmidt auf MD 500 vor Heiko Lodes/Dr. Klaus Ständer auf R22.
Trauung über Hangelar Hochzeits-Helikopter
Es gibt so manchen ungewöhnlichen Ort, sich das Jawort zu geben. Einen ganz
"himmlischen" bietet jetzt die Stadt St. Agustin bei Bonn. Dort können Paare im
Helikopter über der Stadt heiraten. In 1000 ft Höhe spricht der Standesbeamte an Bord
des Drehflüglers die Formel und nach dem Ringetausch geht es auf einen halbstündigen
Hochzeitsflug in die nähere Umgebung. Den Hubschrauber, und auf Wunsch auch den Piloten
als Trauzeugen, stellt die in Hangelar beheimatete Air Lloyd.
Zurück zum Kopf der Seite
FLYING
Präziszionsflug-WM
Die erhofften Platzierungen blieben für Roland Pietsch und Henry Franzkowiak bei der
14. Präzisionsflugweltmeisterschaft vom 30. Juli bis 5. August in Schweden aus. Doch
fliegerisch entdeckten die beiden Piloten eine neue Welt.
Zurück zum Kopf der Seite
PRAXIS
Know-how: Bewusst leiser fliegen
Motorfliegen ist mit Lärm verbunden. Leiser gehts mit Zusatzschalldämpfer und
angepasstem Propeller, aber nicht nur. Rücksichtsvolles, leiseres Fliegen ist auch eine
Frage des Verhaltens.
Piloten haben direkten Einfluss auf die Lärmentwicklung, ganz gleich,
ob sie nun mit Flugzeugen unterwegs sind, die über zusätzlichen Schallschutz verfügen,
oder mit älteren, selteneren Mustern, für die es (bislang) keine lärmmindernden
Maßnahmen gibt. Die Lärmerzeuger am Flugzeug in der Hauptsache der Motor mit
Ansaugung und Auslass, der Propeller sowie die aerodynamischen Widerstände können
laut und leise gestellt werden. Mit der Leistungseinstellung, der Propellerdrehzahl, Wahl
des Flugwegs und der -höhe hat es der Pilot in der Hand, was an Lärm unten ankommt. Der
Beitrag liefert die wichtigsten Tipps.
VFR-Auslandsflug: Nordische Kultstätten
Auf der Suche nach lohnenden Zielen im Nachbarland Dänemark, das unter VFR-Piloten
schon immer einen guten Ruf genoss. Fliegen ist hier Genuss pur. Noch dazu Genuss ohne
Reue, weil der Liter Avgas moderate zwei Mark kostet (Stand Ende August), also mehr als
ein Drittel billiger kommt als hierzulande.
Der Genuss fängt bereits viel früher an, bei der
Flugvorbereitung. Wo in aller Welt gibt es eine transparentere ICAO-Karte 1:500000 (für
37 Mark)? Wo eine sinnvollere, VFR-freundlichere Luftraumstruktur mit den vertrauten
Luftraumklassen G, E, D und C? Und anders als in Deutschland reicht für Charlie, den es
auch nur oberhalb 2500/1500 ft rund um Kopenhagen gibt, natürlich der ganz normale PPL.
Grundkurs in Kursen
Selbst IFR-Schüler kommen bei den verschiedenen Kursbegriffen noch leicht ins
Grübeln. Der Refresher ist deshalb für Profis und als Einstiegshilfe für Anfänger
gedacht. Auch für die moderne Navigation mit Hilfe von GPS ist ein Grundwissen
unverzichtbar. Wer Track und Heading nicht unterscheiden kann, dem hilft auch die beste
Moving Map im GPS wenig.
Unfall-Analyse: Vom Fallwind kalt erwischt
Eine Platzrunde angesichts eines sich schnell nähernden Gewitters wurde einem Piloten
und seinen drei Passagieren am schweizerischen Flugplatz Birrfeld beinahe zum Verhängnis.
Nach einem Durchstartvorgang geriet die Piper mit gefahrenen
Klappen im Querabflug in den Einfluss von Fallwind. Das Flugzeug sackte durch und prallte
auf eine nahe Straße auf. Während die Piper erheblich zerstört wurde, kamen alle vier
Insassen mit leichten Verletzungen davon.
Zurück zum Kopf der Seite
ULTRALEICHT
CH 601 DX Zodiac
Zenairs Zodiac ist seit Jahren eines der erfolgreichen Flugzeuge in der UL- und
Experimental-Klasse. Jetzt bringt Deutschland-Importeur Roland Aircrafts mit der CH 601 DX
eine modernisierte Version mit vielen Verbesserungen. Wir haben der DX am neuen Standort
des Importeurs in Neuhausen ob Eck auf den Zahn gefühlt.
Aerodynamisch, optisch und in Sachen Komfort glänzt die DX durch
zahlreiche Verbesserungen. Was genau die neue Version auszeichnet, erfahren Sie im
aktuellen aerokurier.
Rekord: 58 Flugplätze an einem Tag
Es sollte ein etwas anderer Weltrekord werden. Alfred Schmitz, Flugsicherheitsinspektor
des DAeC, landete an einem Tag mit seinem UL gleich an 58 Flugplätzen und legte dabei
knapp 900 Kilometer zurück. Einen FAI-Rekord stellten er und sein Team damit sicher nicht
auf, aber ein Eintrag ins Guinness-Buch der Rekorde scheint sicher.
UL-Europameisterschaften
Levroux: Enttäuschend endeten für das deutsche Team die
UL-Europameisterschaften vom 19. bis 27. August im französischen Levroux. Den einzigen
Lichtblick bot der zweite Platz von Motorschirmpilot Thomas Keller.
World-Air-Games-Sieger Heinz Korella landete mit seinem
neuen Copiloten Wolfram Walter gar auf dem letzten Platz der Dreichachser-Klasse. Den
Titel holte sich das spanische Team Pedro Nogueroles/Julio Revert. Europameister der
Doppelsitzer-Trikes wurden die Franzosen Samit Elari/Cathy Almaric, bester Trike-Solopilot
der Brite Robert Keene. Bei den Motorschirmen (PPG) siegte Daniel Martinez aus Spanien.
Insgesamt standen 68 Teams aus neun Nationen am Start.
Zurück zum Kopf der Seite
SEGELFLUG
F-Schlepp: Problem Taumelschwingung
Die Diskussion über die Benutzung der Bodenkupplungen im F-Schlepp hat schon viele
Argumente gebracht. Einen bislang unbeachteten Aspekt, den der Taumelschwingung,
erläutern die Professoren Josef Mertens und Wolf Röger.
Ihr Faszit: Technisch haben weder die Schwerpunkt- noch die
Bugkupplung Vorteile. Jede Art der Kupplung hat ihre eigenen Vor- und Nachteile, die
Unfallursachen sind unterschiedlich gelagert. In jedem Fall hilft wie immer in der
Fliegerei nur eins: Übung, Aufmerksamkeit und kühler Kopf.
Oldies auf Welttournee
Die Flugzeuge aus den Anfangszeiten des Segelflugs sind schon wahre Altertümchen, aber
es werden immer mehr: Beim 2. International Vintage Sailplane Meeting in Elmira,USA, und
beim Vintage Glide 2000 in Tibenham, Großbritannien, wurden bislang in USA und Europa
nicht gesehene Muster gezeigt.
Zehn Tage Segelflieger-Paradies (Teil II)
Geradezu traumhafte Bedingungen bescherte Nevada den Gewinnern des Barron Hilton Cup
98/99 Anfang Juli auf der Segelflugranch des Hotelkönigs. Von dem "Spielplatz für
große Jungs" berichtet Uli Gmelin so richtig zum Neidischwerden.
Europameisterschaft: Titeljagd im Norden
Acht Wertungstage, beste Thermik, sehr oft in Wolkenstraßen angeordnet, aber auch
knifflige und dann entscheidende Situationen hat die 10. EM den 103 Teilnehmern aus 24
Nationen gebracht.
Der FCC Berlin hat in Lüsse, rund eine Autostunde südlich
von Berlin, mit den Europameisterschaften eine nahezu perfekte Vorstellung geboten: Eine
EM auf WM-Niveau. 21 europäische Nationen hatten ihre Piloten geschickt. Als Gastnationen
waren Japan, Neuseeland und Südafrika dabei. Die Piloten starteten unter der Flagge der
Internationalen Segelflugkommission (IGC).
In der Offenen Klasse flog Bruno Gantenbrink (51) mit drei
Tagessiegen zu seinem dritten EM-Sieg vor dem Europameister 98 Uli Schwenk und
Weltmeister Holger Karow. In der Standard-Klasse hatte sich Herbert Weiß (51) den zweiten
Platz hinter Euroameister Jean-Marc Caillard erobert. Und fast wäre Bronze für Bernd de
Boer abgefallen. Mit seinem vierten Platz, nur ganz knapp, nämlich um sieben Punkte
hinter dem Italiener Riccardo Brigliadori, hat der 35-jährige Physiker bei seiner ersten
EM einen glänzenden Einstand gegeben.
In der Rennklasse besetzten ganz unspektakulär der
Brite Stephen Jones und Teamkollege David Watt für die letzten drei Wertungstage die
Spitzenpositionen. Die gute Zeit des deutschen Rennklasseteams Michael Grund / Werner
Meuser beschränkte sich auf die ersten sechs Wertungstage. Tagessiege und gute
Platzierungen hatten Michael Grund nach fünf Tagen zum "Halbzeitmeister"
gemacht, Werner Meuser lag auf Platz drei. Mit einer Außenlandung am sechsten Wertungstag
wurde dieseer Auffstieg abrupt gestoppt. In der Folge setzte Michael Grund auf Risiko, um
aufzuholen. Die Entscheidungen trugen nicht, und statt Sekt gabs Selters. Werner
Meuser wurde Vierter (Ergebnisse).
Deutsche Meisterschaft der Frauen
Mit 56 Pilotinnen hatte die Deutsche Meisterschaft der Frauen Mitte August in Neresheim
so viele Teilnehmerinnen wie nie zuvor. Vor allem die Clubklasse hat mit 30 Flugzeugen zum
guten Ergebnis beigetragen.
Der Wettergott hat es nach kleinen Startschwierigkeiten gut
mit den Frauen gemeint: Sieben Flugtage am Stück, meist mit 2000 m Basis über Grund und
Steigwerten um 2,5 m/s. Zur Wettbewerbsmitte machten die Rennen ihrem Namen auch alle
Ehre: Die Schnittgeschwindigkeiten der Schnellsten in Standard- und Rennklasse lagen über
110 km/h!
Der Rennklasse waren im Mittel 338 km große Aufgaben
aufgetragen. Als größte Strecken wurden 400 km geflogen. Die größten Tagesaufgaben
aller Klassen (über 400 km in Standard- und Rennklasse) endeten alle vorzeitig auf
Außenlandeäckern. Aber auch die Aufgaben in der Standard-Klasse mit 319 km im Mittel
(Maximum 357 km) können sich sehen lassen. In der Clubklasse kamen im Schnitt 264 km zur
Ausschriebung. Größte geflogene Strecke waren hier 320 km.
Sylvia (Üli) Stampke, hat die Meisterschaft in Neresheim
im Cockpit ihrer LS1-f erlebt. Aber nicht allein, sondern im Team. Das Erlebnis Teamflug
in der Clubklasse hat sie für den aerokurier aufgeschrieben. (Ergebnisse)
DM Kunstflug: Erster Titel für Detlev Eilers
Im Beruf ist er Airline-Kapitän, in der Freizeit Acropilot mit Erfolg. Jetzt
holte sich Detlev Eilers (45) bei der Deutschen Meisterschaft im Segelkunstflug in Landau
die ersten Titelehren.
Die weiteren Plätze in der 23 Piloten starken
Meisterklasse der Deutschen Segelkunstflug-Meisterschaften vom 22. bis 30. Juli in Landau
belegten Gregor Wilke (Biberach) mit 100 Punkten Abstand und Helmut Lindner
(Walpertshofen) nach respektabler Aufholjagd.
In der Halbacroklasse traten 16 Piloten an. Hier gewann
souverän der Pilatus-B4-Pilot Andris Kade aus Karlsruhe. Platz zwei besetzte Jürgen
Thies aus Niederweis mit einer Lo 100 gefolgt von Wolfgang Schieck aus Sauerlach mit einem
Salto (Ergebnisse).
Heidepokal 2000
Anfang August gabs in Roitzschjora großes Programm: Heidepokal 2000 und zugleich
Sächsische Meisterschaft der Club- und Standard-Klasse. Es ging um die
Qualifikationsplätze für die Junioren-DM und für die Ost-/Norddeutschen Meisterschaften
im nächsten Jahr.
Robert Mettin und Norbert Kalisch (beide D-Kader aus
Roitzschjora) holten sich die Titel Sachsenmeister in der Club- beziehungsweise
Standard-Klasse. Robert reichte dazu ein sechster Platz in der Clubklasse. Mit seinem Sieg
in der Standard-Klasse wurde Norbert Kalisch gleichzeitig bester Junior des Wettbewerbs.
Der Pokal (nach der Gesamtwertung beider Klassen mit Index)
ging nach Thüringen, an Jan Rothhardt. Mit einem 4-km/h-Vorsprung am letzten Tag
entschied er die Heidepokalwertung zu seinen Gunsten: Im Schnitt hatte er stets 95,4
Prozent der maximalen Tagespunktzahl eingeflogen.
Brandenburger und Berliner Meisterschaft
Sechs Wertungstage mit ganz passablen Bedingungen gab es für die 41 Teilnehmer aus
zwölf Vereinen der Brandenburger und Berliner Segelflugmeisterschaften vom 12. bis 20.
August in Finsterwalde. Das Wetter zeigte sich gleich zu Beginn von seiner besten Seite.
Aufregung gab es am ersten Tag nur durch die Außenlandung eines Piloten in Polen. Der
zweite Tag brachte die größte Aufgabe. Die Offene Klasse umrundete ein 527 km großes
Dreieck.
In der Club/Doppelsitzerklasse hat Wolfgang Heinze (ASK 21)
vor Paul Braune und Hans-Jürgen Krause gwonnen. In der "Offenen" Klasse hat
Michael Petzold (ASW 24) das Rennen gemacht. Auf den Plätzen folgen Klaus Wonneberger und
Wldemar Labuska. Sieger der Clubklasse wurde Christian Kümmritz vor Anrdé Augenadel und
Ulf Grothe.
Polen-Meisterschaft
Regen und Sturm bestimmten das Wetter während der 45. polnischen Meisterschaft der
Standard-Klasse vom 24. Juni bis 9. Juli in Leszno.
Polnischer Meister wurde der 44-jährige Jerzy Kolasinski auf
Jantar-Standard 2 vor Robert Sleczkowski (29) und Stanislaw Kluk (61), ebenfalls auf
Jantar-Standard 2. Als bester Gastpilot in der internationalen Wertung platzierte sich
Miroslaw Matkowski auf Rang sechs, Waldemar Labusga (LS8) wurde Zehnter.
Segelflugszene: Jetzt neue überregionale
Luftsportvereinigung
Mit Segelflugszene e.V. wurde jetzt ein überregionaler
Luftsportverein/-verband gegründet, dessen vorrangiges Ziel es ist, die Rahmenbedingungen
für den Luftsport in Deutschland zu verbessern. In Versicherungsfragen hat die neue
Vereinigung schon ein Pfund vorzuweisen. Mit Anfang September geschlossenen
Rahmenverträgen können die Mitglieder von Segelflugszene e. V. ganz erhebliche Summen an
Versicherungsprämie sparen. Der Mitgliedsbeitrag ist dabei äußerst gering: zwölf Mark
pro Verein, ganz unabhängig von dessen Größe, oder Einzelperson im Jahr. (Kompletter Artikel)
Weitere Informationen gibt es im Internet unter www.segelflugszene.de,
per Fax: 09151-71210 oder bei Segelflugszene e.V., Hohensteinstr. 12, 91217 Hersbruck.
Weitere aktuelle Segelflugmeldungen unter airSport
Zurück zum Kopf der Seite |